Blütenpollen sammeln, konservieren und verarbeiten

Vortrag von Bernd Boeker

Pollen sind die männlichen Keimzellen von Pflanzen und dienen in der Pflanzenwelt zur Befruchtung. Er wird von den Honigbienen, aber auch von anderen Insekten gesammelt um deren Brut zu versorgen. Für die Honigbienen ist die Pollenversorgung so wichtig, dass sie z.B. trotz Rapstracht sehr weit fliegen um verschiedene Sorten von Pollen zu sammeln. Da die Natur nur wenige Pollen pro Blüte anbietet müssen Bienen sehr viele verschiedene Blüten anfliegen um die benötigte Pollenmenge zu erhalten. Das hat die gute Bestäubung zur Folge.
Im Gegensatz zu anderen Insekten haben die Honigbienen den Vorteil, dass Sie den an Ihnen haftenden Pollen mit Ihren Beinen abkämmen, einspeicheln und an den beiden hinteren Beinpaaren in Form von Pollenhöschen gesammelt transportieren. Deshalb können wir den Pollen überhaupt „ernten“, indem man die Bienen nur durch (oder über) ein Gitter in den Stock gehen lässt an dem –je nach „Schärfe“ des Gitters- die Bienen mehr oder weniger Pollenpäckchen verlieren, die dann in einen Sammelbehälter fallen.

Obwohl wenig nachgefragt gibt es doch für Pollen einen Markt. Doch auch wenn man Pollen nicht verkaufen will lohnt das Sammeln z.B. für die Versorgung der Pflegebienen bei der Königinnenzucht.
Der nicht geerntete Pollen wird von den Bienen mit dem Kopf in die Wabenzellen gestampft, wobei durch Zugabe von Honig der Ph-Wert abgesenkt wird um die Anzahl der Mikroorganismen und Hefen zu reduzieren (Glukoseoxidase + H2O2).
Deshalb wäre das Bienenbrot für uns Menschen am besten vorbereitet, weil die Fermentierung die Wertstoffe im Pollen dem Menschen überhaupt erst zugänglich macht. Das Bienenbrot könnte man aus der Wabe stanzen und essen, es schmeckt aber „gewöhnungsbedürftig“.
Im Pollen stecken die wertvollen Inhaltsstoffe:
– Proteine (essentielle Aminosäuren) 11-35%
– Fette/ Fettsäuren 1-22%
– Kohlehydrate (Zucker) 20-48%
– Mineralstoffe, Vitamine (vor allem Provitamin A, B2)
Der Zuckegehalt in Pollen teilt sich in etwa auf in Fruktose 18%, Glukose 13%, Saccharose 6%, Maltose 2%

Wie wird der Pollen geerntet?
Durch die Pollenfallen oder andere technische Tricks verlieren heimkehrende Bienen die beiden Pollenhöschen. Dabei sollte man keinesfalls mehr als 25% der Pollenhöschen ernten und den Bienen die restlichen 75% für das das Volk lassen. Bei der Verwendung der Pollenfalle ist wichtig, mit Rundlochgittern zu arbeiten. Die ebenfalls möglichen Sterngitter ernten viel zu viel Pollen ab und bringen die Völker in Nöte.
Allerdings stellen sich die Bienen auf die Pollenfallen ein und sammeln dann nur noch kleine Pollenpakete oder lernen wie sie über das Gitter laufen müssen um den Pollen nicht zu verlieren. Auswertung der Pollenerträge an verschiedenen Standorten ergab, dass am Friedhof mehr als doppelt so viel Pollen in einem Zeitraum gesammelt wurde als an übrigen Standorten. Dabei wirkt sich zudem die Vielfalt der Blüten positiv auf das Produkt Pollen aus.
Pollen sollte wegen des im Verlauf des Jahres zunehmenden Pflanzenschutzmitteleinsatz in der Zeit bis maximal Juni geerntet werden. Dabei muss er jeden Tag geerntet werden! Denn er ist schnell verderblich.
Das Rohprodukt „Pollen“ ist durchsetzt mit Produkten die man dort nicht ‚ ‘drin haben will. Andere Faktoren verkleinern die Qualität.

Was beeinflusst die Qualität des Pollens?
– Hitze macht die Vitamine kaputt, Temperaturen über 40°C reichen aus
– Sonneneinstrahlung sollte schon beim Sammeln vermieden werden
– Erregersporen, Schimmelpilze Bakterien (e-coli)
– Pollenmilben, Wachsmotten(als Ei oder Larve), Ameisen, Schnecken, Mäuse Vögel

Möglichkeiten der Pollenkonservierung:
– Trocknung: Vakuum Trocknung, Gefriertrocknung (Geräte ab 60,- €)
– Kühlen, Einfrieren (wichtig: Porung wird gestoppt und alle vegetativen Phasen Wachsmotte abgetötet)

Empfehlenswerte Strategie
– Tägliche Pollenernte am Abend und Austausch gegen gereinigten Pollenbehälter.
– Ausbreiten der Tagesernte großflächig auf der bisherigen Ernte, besser jeweils einzeln ausbreiten und trocknen
– Pollenernte als Charge aufarbeiten
– Gefroren reinigen
– Trocknen Excalibur- Trockner mit 5 Einschüben (ca. 330,- €) 40° 3 Std. lang (DRAUßEN!) (bis ‚runter auf 6% bis 5,5% Restfeuchte)
– Ggf. getrocknet reinigen, besser nach Gefriertrocknung reinigen
– Optische Endkontrolle
– Luftdicht, kühl und dunkel lagern (Vakuumierung)
– Ggf. Pollenreinigungsmaschine (Gebläse) einsetzen

Wie können wir den Pollen verwenden:
– Hummelzucht, Königinnenzucht
– Zur Nahrungsergänzung, wobei Bienenbrot besser verwertbar als Pollen direkt
– Wenn Pollen direkt verwenden (besserer Geschmack), dann über mehrere Stunden in Joghurt eingerührt in den Kühlschrank stellen
– Therapiepollen in der Medizin
Rezept empfehlenswert: frischen Blütenpollen in Honig einrühren im Verhältnis 1 zu 2

Mögliche Probleme mit Pollen
Chemischer Pflanzenschutz: Spritzmaßnahmen in blühenden Kulturen gefährden die Pollenqualität z.B. beim Obst (Behandlung von Feuerbrand, Schorf, Spitzendürre) 
beim Raps (Behandlung von Rapskrebs, Rüsselkäfer, Kohlschotenmücke)
Wird erwerbsmäßiger Obstbau in der Nähe betrieben, kann deshalb kein Pollen gesammelt werden, weil die Blüten zu sehr chemisch belastet sind.

Problematisch in diesem Zusammenhang ist, dass europaweit keinerlei Höchstgrenzen für Pflanzenschutzmittel im Pollen festgelegt sind. Gut für den vermarktenden Imker, u.U. schlecht für den Verbraucher. Zudem werden keine routinemäßigen Qualitätskontrollen durchgeführt. Es liegt in der Eigenverantwortung des Imkers, was er seinen Kunden anbietet. zählt

PAs Pyrrolizidinalkaloide
etwa 3% der Pflanzen produzieren PAs als Schutz vor Fressfeinden
In Deutschland: Jakobskreuzkraut, Natternkopf, gewöhnlicher Wasserdost
Auch deswegen sollte Pollen nur bis Juni gesammelt werden.

Risiko Pflanzenzüchtung
– Pollensterile Pflanzen
– Kleistogamer Raps
– Rapsglanzkäfer sucht vor Blütenöffnung nach unreifem Pollen, wenn der Rapsglanzkäfer keinen findet frisst er sich durch die Blüten und richtet großen Schaden an.

Pollensammeln: damit müssen wir rechnen: (Berichte aus der Praxis)
– 20-30% geringerer Honigertrag
– alle 4 Wochen neue Völker für das Pollensammeln einsetzen
– extremer Geruch bei der Trocknung
– wenige Kunden die Pollen kaufen wollen

Danksagung: Herzlichen Dank an Dr. Klaus Wallner für den lehrreichen Input anlässlich der Eurobee 2025 und an Guido Eich für seinen Blühkalender und die lustigen aber vor allem lehrreichen Workshops und Vorträge. Und weiterer Dank geht an Bernhard Heuvel für den unermüdlichen Praxiseinsatz und den fortwährend guten Input an Methoden und Ideen.